
Neuerfindung, Neustart, Unternehmens-Relaunch ? das alles klingt nach »Auf, Helden! Vorwärts mit uns allen in eine glorreiche Zukunft«. Nicht zurückblicken, Vergangenheit abhaken, es zählen allein die Gegenwart und das Kommende. Attacke!
Ein Blick zurück ist dennoch in Ordnung, finde ich. Natürlich geht es nicht darum, schmutzige Wäsche zu waschen. Das tut man nicht. Vielmehr will ich zurückschauen, weil es helfen mag, alte Fehler zu erkennen und hoffentlich zu vermeiden ? na, und weil ich an anderer Stelle bereits versprochen hatte, vom Tohuwabohu der letzten Wochen zu erzählen.
Also, was ist im letzten Quartal 2008 bei KM2 >> geschehen? …
Vor knapp drei Monaten, rund acht Jahre nach Gründung unserer Internetagentur, suchte der jüngere unserer beiden Gesellschafter/Geschäftsführer das Vieraugengespräch mit mir. Da es im Dreivierteljahr davor bei uns intern bedenklich zuging, ahnte ich, es würde um Grundsätzliches gehen.
Wir verabredeten uns für ein Gespräch in einer Kneipe. Da auch unsere informelle Face2Face-Kommunikation mehrheitlich im Büro stattfindet, kam dieses Treffen außerhalb unserer heiligen Hallen einer Verschwörung gleich.
Um es kurz zu machen: Der junge GF eröffnete mir über einer Apfelschorle, dass er sich nach reichlicher Überlegung vom älteren GF trennen wolle ? wegen unvereinbarer Auffassungsunterschiede. Das konnte ich verstehen. Was sich da über viele Monate angestaut hatte, schien ein weiteres Miteinander unmöglich zu machen. Es fand im Grunde gar nicht mehr statt.
Gründe für diese Entwicklung? Kommunikationsfehler. Und diese Kommunikationsfehler mutierten zu Management-Fehlern ? und umgekehrt. Bald steckten wir in einer Spirale sich selbst bedingender Fehlbarkeiten.
Das lief dann auszugsweise so: Das Tagesgeschäft verhinderte Kommunikation, ergo: Abstimmung, Koordination und letztlich Management. Daher fehlten mitunter wichtige Informationen dort, wo sie wichtig gewesen wären. Nämlich bei den jeweiligen Projektbeteiligten. Während häufig genug parallel abzuwickelnder Projekte kam es zum Kampf um Ressourcen (Personal!). Daher musste sich meist ein Kollege zu seinem Ärger in der Mitte teilen, um die Koordinations- und Entscheidungsprobleme der beiden Geschäftsführer aufzufangen und für beide zur Verfügung zu stehen. Nennen wir dieses Problem Management by Externalizing of Decision Making.
Die Antwort eines meiner alten Professoren auf die Frage nach dem entscheidenden Faktor für Erfolg lautete: »Kommunikation! Kommunikation! Kommunikation! Funktioniert in der Ehe, funktioniert auch im Business.«
Zugegeben, er wusste, dass sich das ganz sicher auch differenzierter sehen ließe, was der gute Mann jedoch meinte, war, dass eine Voraussetzung für Erfolg in engen Märkten wirksame, zielgerichtete interne Kommunikation sein kann.
Diese wirksame Form des Miteinanders wurde von uns seit geraumer Zeit in den Wind geschlagen. Natürlich ist es nicht so, als hätten wir überhaupt nicht mehr miteinander gesprochen. Es gab immer wieder gute Ansätze. Tagesbesprechungen, die hoffnungsvoll starteten, liefen dann allerdings immer häufiger schief. Am Ende ging es nur noch darum, wer den Längsten den längsten Atem hat. Kompetenzgerangel und Rechthaberei. Projektbesprechungen arteten aus zu kontraproduktiven Auseinandersetzungen.
Resultat: verletzte Eitelkeiten, Rückzug des Einzelnen ins Tagesgeschäft, Schweigen… und weiter: Fehlkoordination, Motivationsverlust, Frustration. Die Situation verschlimmerte sich. Ätzend!
Ehe man sich versah, war der Wurm drin und unser Wettbewerbsvorteil, als kleine flexible Einheit schnell und zu guten Preisen hervorragende Leistungen zu liefern, geriet in Gefahr.
Ein größeres Unternehmen, das eine tragfähige Cash Cow hat, mag solches Chaos finanzieren können. Ich kenne Interna großer Telkomanbieter, denen Millionen Bestandskunden eine grundsolide Finanzierung eines unfassbaren tagtäglichen Wirrwarrs sichern. Für einen kleinen Dienstleister wie uns ist dieses Incommunicado fatal.
Ich kommuniziere, also bin ich, will sagen, ich kommuniziere, also gewinne ich. Reden ist Silber, Schweigen ist Gülle.
Kinderbuchweisheiten? Wer das denkt, schaue in seiner Familie oder am Arbeitsplatz nach. Wer alles richtig macht, Gratulation, der schätze sich glücklich und werfe einen der zahlreichen Steine.
(Wie es mit dem Kneipentreffen, der Apfelschorle und KM2 >> weiterging, folgt demnächst in Rückblende 02…)
Geschrieben am Dienstag, 13. Januar 2009, von Nik, abgelegt unter Rückblenden
Tags: Flashback, Kommunikation, Management, Rückblende







ihr habt scheinbar einen langen atem, ohne den eine neuerfindung sicher nicht möglich wäre. hab euren blog durch zufall gefunden. is doch schon mal ne bunte mixtur.
der blog ist optisch ziemlich cool. gefällt mir! ubahnflair is oben auch dabei. postet mal mehr. wie siehts bei euch eigentlich aus?!
mfg, cornelius
Hallo ubahnfahrer,
danke für die Blumen. Freut uns, wenn die Gestaltung ankommt.
Wie’s bei uns aussieht? Büroräumlich? Da sieht’s hoffentlich auch bald bunt(er) aus. Wir arbeiten daran… Dokumentation wird folgen.
Viele Grüße
Nik
[...] von Apfelschorle und Kneipentreffen – wie in Rückblende 01 angekündigt – habe ich in dieser Rückblende nun nichts erzählt, aber vielleicht in [...]
[...] nun geriet die strategische Ebene bei KM2 >> aus dem Fokus. Sie kam aufgrund der in Rückblende 01 dargelegten Kommunikationsschwierigkeiten zu kurz. Insgesamt fehlte die Abstimmung von und zwischen Ziel-, strategischer und oprativer Ebene [...]