
Griffige Wort-Bild-Marke. Einprägsam. Modern.
Worum geht’s? Um T-Shirts mit Aufdrucken wie Lebenslänglich, Schuldig, Freigänger und Wieder frei. Oder um ein Kosmetikset mit dem Namen Bleib sauber. Es geht um heiße Ware aus dem Knast…
In der Hamburger Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel (Kuschelname Santa Fu) tüfteln straffällig gewordene Mediengestalter, Werbe- und Marketingfachleute in einer Public Private Partnership mit externen Agenturen an Lifestyle- bzw. Freizeitprodukten aus dem Dunstkreis Gefängnis.
Das Ganze läuft unter dem Namen »Santa Fu – Kreative Zellen« und ist ein gelungenes Beispiel für die authentische Aufladung einer Marke, die mit dem Zivilisationsmythos Knast spielt. Bleib sauber konkurriert zwar mit jedem Duschgel, das aber mit dem beneidenswert glaubwürdigen Alleinstellungsmerkmal Made in jail. Und für das gewisse Echte, das allen Produkten anhaftet, können zünftige Preise gefordert werden: Der Umsatz für die JVA Fuhlsbüttel soll sich jährlich auf eine sechsstellige Summe belaufen, die in Teilen an den Weißen Ring geht. Mit dem Knastklischee Tüten kleben hat das alles nichts mehr zu tun.
Ein Häftling meinte im Radiointerview (WDR 5, 13.01.2009, 10:05-12:00 Uhr), er könne durch die Mitarbeit im Santa Fu-Team an sein altes Leben als Grafik-Designer anknüpfen. Die kreative Arbeit gibt den Häftlingen etwas zurück, Selbstwert, vielleicht sogar das Gefühl, etwas Erfüllendes zu tun… Darf es das geben? Einen Knast-Job, der Spaß macht? Muss Gefängnis nicht eine echte Strafe sein? – Man bedenke, die Freiheit ist trotz allem entzogen. Aber ohne hier ein Märchenbuch aufschlagen zu wollen: Vielleicht bietet das Projekt eine Chance sich neu zu erfinden.
Neuste Idee der kreativen Zellen: Knastluft in Dosen.