Heute habe ich es gewagt: Ich war mit meinem zehn Wochen alten Sohn im Büro. Bevor mich jetzt jemand ausbuht, als Rabenvater beschimpft und durch die virtuelle Spießgasse schickt, möchte ich sagen: Manchmal geht’s in modernen Zeiten nicht anders. Die Mama hat überraschend zu tun, der Papa arbeitet, eine Aufsicht ist nicht so schnell aus dem Hut zu zaubern, da wagt man das Experiment – und fährt mit dem Kleinen ins Büro. (Könnte auch ein schöner Songtitel sein: Mit dem Kleinen im Büro.)
Was soll ich sagen: Der Kleine hat sich wacker geschlagen. Ich, der Papa, aber auch. Ö-höm. Es ist allerdings schon ein bisschen komisch, wenn man, das glucksende Würmchen auf dem Arm, mit Kunden telefoniert. Da möchte man sich mal selbst beobachten können. Es hat geholfen, dem Kunden zu sagen, dass der Kleine mit am Hörer hängt. Das Ganze bekam eine schöne persönliche Note.
Etwas gehetzt war ich allerdings, als der Kleine nicht mehr schlief, sondern putzmunter war und um Aufmerksamkeit bat – mit herzhaftem Geschrei, Subtext: »Papa, spiel mit mir.« »Meine Windel ist voll.« »HUNGER!«
Ergebnis: Ein gesalzener Schweißausbruch und das Register an Tricks, das man parat hat, um den Windelpiraten zu beruhigen. So ein Geschrei wirkt im Büro völlig anders als in den eigenen vier Wänden. Man fängt automatisch an zu flüstern, weil alles viel, viel leiser ist. Da klingt das Gegreine eines Säuglings wie der lang anhaltende Urschrei eines Fuffzigjährigen. Sei doch leise, Schnitzelchen, bitte, bitte, bitte, bitte… Und die Kollegen stehen schon mal gelassen um einen herum und schauen sich das Spektakel an. Puh, dann weiß man, jetzt gibt es nur dich und deinen Sohn. Gib dein Bestes.
Irgendwie ging’s am Ende. Ich habe sogar etwas geschafft, mehr oder weniger, aber Live-Blogging, was ich eigentlich vorhatte, war partout nicht möglich. Na, dafür jetzt aber diese Nachberichterstattung.
War schon froh, als die Mama wieder dran war. Mamas sind die Besten. Ja ja, das schreib ich jetzt nur, um beim nächsten Mal nicht wieder mit dem Kurzen ins Büro zu müssen. Okay, okay, jetzt könnt ihr buhen.


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