Dass ich mal die obige Headline schreiben würde, hätte ich selbst nicht für möglich gehalten. Ja, die Online-Community Facebook funktioniert… bei mir (huch). Ich kann zwar nicht behaupten, minüt-, stünd- oder täglich das Vergnügen zu haben, aber doch einige Male in der Woche.
Entscheidend war und ist für mich, welche Personen ich dort vorfinden könnte. Einige meiner sehr engen Freunde treiben sich derzeit regelmäßig in Facebook herum, so dass die Relevanz des Mediums gegeben war. Ferne Bekannte spielen für mich eine eher untergeordnete Rolle. Trotzdem ging ich anfangs davon aus, gerade die etwas flüchtigeren Bekanntschaften in bzw. mit Facebook poolen zu können. Aber: Aktueller Anlass meiner Nutzung sind ganz eindeutig die engen Buddies. So spiegelt die Online-Welt im Grunde meine Vernetzungen in der echten Welt.
Der Facebook- bzw. Online-Community-Skeptiker wird jetzt fragen, warum denn dann nicht weiterhin Freundschaften in der realen Welt pflegen und leben. Weil es mit Facebook ein wenig direkter, schneller und dem Anschein nach persönlicher geht als per E-Mail. Da wir modernen Menschen ohne Zeit und Rast dazu neigen, unsere Kontakte durchzuökonomisieren, wie einer meiner Freunde es unlängst ausdrückte, ist Facebook bei engem Zeitbudget ein schönes Tool, Kontakte bei gefühltem Miteinander doch auf Distanz zu halten. Eigentlich ein Blödsinn, denn in echt sind mir die Lieben doch lieber. Das hieße: mit jedem gefühlten Mehr an Zeit würde für mich der Nutzen von Facebook abnehmen.
Das sagt jetzt viel über mich aus: Weil ich mich zeitlich ständig ein wenig getrieben fühle, bin ich also jemand, der sich mit Facebook Freunde auf distanzierte Weise nah hält. Die Unverbindlichkeit, die einem die Online-Welt verschafft, hilft in einer Welt voller zeitlicher Verbindlichkeiten.
Nun aber zum zweiten Punkt, der Facebook und Konsorten interessant macht: Die gefühlte unmittelbare Nähe; denn wo es Zeit gibt, gibt es auch Raum. Es ist schon sehr begrüßenswert, örtlich entfernt lebende Freunde auf dem kurzen Community-Weg (im Verbund mit den nahen Freunden) erleben zu können: Ferner Freund ganz nah. (Und im Idealfall kennen sich alle, dann macht es es richtig Spaß.)
Am Ende möchte ich es so fassen: Facebook funktioniert derzeit. Muss ich jedoch wirklich den ganzen Schnickschnack von meinen Leuten wissen, den man mit den Facebook-Community-Features erquizzen und in die Runde posten kann? Nein, nicht wirklich. Im Zweifel wusste ich lange vor der Existenz von Facebook, welche fünf Lieblingsplatten mein Kumpel Oli nennen würde. Brauche ich eine virtuelle Schneeball- oder Kissenschlacht, mit der ein Interaktionsanlass konstruiert wird? Nein, auch nicht wirklich.
Gepflegte Facemail über einem gepflegten Glas Rotwein ist dann letztlich doch am allerschönsten… Aber am nächsten Tag, im Brass des Jobs, mit Meilen zwischen den Freunden und mir, da ist Facebook tatsächlich ganz nützlich. Für das schnelle Hallo, die nette Frotzelei – und das Gefühl von Verbundenheitsein.