Archiv für den 08. Juli 2009

Kreditengpass: Wunsch und Wirklichkeit

Wunsch
Finanzminister Steinbrück lässt keine Gelegenheit aus, auf die bösen Banken zu schimpfen: Sie sollen endlich mehr und günstigere Kredite an die Wirtschaft vergeben.

Wirklichkeit
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) verteuert ihre langfristigen Kredite (10 Jahre Laufzeit und mehr) um 0,2 Prozentpunkte.

Das muss einen gern nassforsch auftretenden Finanzminister im Wahlkampf echt ärgern. Da werden mal eben seine einfachen Macher-Appelle in Sachen Kreditklemme von einer Bank, die seiner Rechtsaufsicht untersteht, neutralisiert. Der verwirrte Bürger staunt und stutzt. Erst Millionen im Lehman Brothers-Orkus versenken, dann in Island Geld verzocken und jetzt auch noch die Kreditzinsen hochfahren, wo Onkel Peer doch “Dudu, böse” gesagt hat. Miese Staatsbank!

Tja, so einfach ist die Kiste nicht: Nach niedrigen Zinsen für Mittelstandskredite lässt sich im Wahlkampfgetöse leicht brüllen, aber die betriebswirtschaftliche Realität der Banken sieht jeweils anders aus.

Die EZB beeinflusst mit ihren Zinsvorgaben eher die kurzfristigen Zinsen. Die Refinanzierung langfristiger Kredite ist für Banken derzeit allerdings viel teurer. Will jetzt hier nix von der Zinsstrukturkurve mit kurzem und langem Zinsende faseln, aber aktuell kann man vereinfacht sagen: Kurzfristige Kredite sind günstiger als langfristige Kredite. Daher hat die KfW trotz des ultra-niedrigen EZB-Leitzinses ihre langfristigen Kredite verteuert.

Da kann der Minister sich einen Wolf wünschen und sogar die Kreditvergabe durch die Bundesbank selbst vorschlagen. Die zurückhaltende Reaktion der Bundesbank und die Zinserhöhung der KfW beruhigen mich, zeugen sie doch von einer gelebten Unabhängigkeit.