Archiv für den Monat September 2009

Neulich, vom Balkon geguckt

Heißluftballon im Garten

Letztens schaute ich vom Balkon und sah – einen Heißluftballon. Atemberaubend so ein farbenfroher Bursche im Garten, kann ich sagen. Die Notlandung Behelfslandung sorgte für ein großes Hallo in der Nachbarschaft. Ganz so, als wäre ein UFO gelandet.

Immer wieder faszinierend, wie ungewöhnlich Dinge wirken, wenn sie an einem Platz auftauchen, an dem bzw. für den sie nicht vorgesehen sind: Ein Ballon im Garten ist etwas völlig anderes als ein Ballon in der Luft oder auf freiem Flugfeld. Kontext-Crossing, würde ich sagen.

Flieg, bunter Freund. Ach nein, beim Ballon heißt’s ja: Fahr, bunter Freund.

Warum so schlechte Internetangebote?

Nik stellt Fragen

Neulich sprang ich auf der Suche nach einer Reise bzw. einer Ferienwohnung durchs Netz. Es sollte ein Kurztrip in irgendeine bereisenswerte Region unseres Landes sein. Und, Herrje, über was für Stolpersteine bin ich gepurzelt: Aufklappmenüs, die mir in die Eingabefelder für den Reisezeitraum hineinsprangen und nie wieder verschwanden. Turmhohe, über die gesamte Seite ragende Pop-up Menüs für die Angabe von An- und Abfahrtstag. Keine Zwischenspeicherung von Einträgen in Suchmasken. Versteckte Kontaktinformationen. Mikroskopisch kleine Links in Ergebnislisten. Links, die überhaupt nicht als solche zu erkennen waren. Panorama- und Hotel-Bilder, die auf verbrecherische Weise skaliert bzw. gestaucht worden sind. Und so weiter. Und so weiter. Und so fort.

An einer Stelle brach ich frustriert ab und entschied mich für die Suche nach etwas in einer anderen Region.

Liebe Verantwortliche in Tourismusverbänden bzw. -vereinen, liebe Regionenvermarkter: Vergessen Sie online bitte Ihre Nutzer nicht. Nicht nur das Auge isst mit. Das Ganze muss doch auch funktionieren. Oder soll der User nichts finden?

Schwebezustand

HeaderSchweben

Irgendwie hat diese frühherbstliche, mit Spätsommeranflügen gesprenkelte Zeit etwas Schwebendes. Es herrscht eine sonderliche Übergangsstimmung – von warmer zu kalter Witterung, von Zeit mit Abwrackprämie zu Zeit ohne. Und alle warten auf die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen – und vor allem auf die Wahl… und irgendwie auch wieder nicht, weil der so unsäglich (Achtung: Ironie!) spannende Wahlkampf 2009 uns zeigt, was zu erwarten ist: Bei solch messerscharfen Allgemeinplätzen wie, ich zitiere, Wir haben die Kraft, Deutschland kann es besser oder Unser Land kann mehr darf man sich wohl allein darüber freuen, dass man den Anstand hatte, die Botschaft des Obama-Wahlkampfes nicht direkt mit einem Ja, wir können’s! zu übernehmen.

Und wir schweben weiter…

Und doch: Die Probleme der Welt, der Moderne drücken, die gebratenen Tauben fliegen uns (mancher Utopie aus dem frühen letzten und vorletzten Jahrhundert zum Trotz) nach wie vor nicht in den Mund, der Wettbewerbsvorteil unserer Wohlstandsgesellschaften schwindet, die sozialen Errungenschaften bröckeln, weil sie nicht mehr bezahlbar sind, und was Segen (Moderne Medizin, Effizienzsteigerung…) war, bringt Fluch (Überalterung, Überforderung und Preisverfall…) mit sich.

Mal ehrlich, wir alle würden irgendwie gern ein bisschen an der alten Welt, der alten Bundesrepublik festhalten. Von Paradigmenwechsel keine Spur, wo wir doch aber sozial, ökologisch und wirtschaftlich in einer Zeitenwende stecken, die sich gewaschen hat, gegen die wir uns alle ein bisschen wehren, von der Notiz zu nehmen wir, wenn wir in einem Job rotieren, gar keine Zeit haben, da die immer enger gezurrten Märkte mit immer höherer Produktivität bzw. verbesserter Effizienz zu beackern sind.

Und wir wundern uns multimedial über Jungmänner, die in Schulen Amok laufen oder Menschen zu Tode prügeln? Aber, was übe ich mich hier in Gesellschaftskritik?!? Hab gar keine Zeit. Ist doch nur Spaß. Die Kunden warten. Und der Urlaub. Und: Ich hätte mir doch mit der Abwrackprämie einen neuen Wagen zulegen sollen. Ob die A1 heute wieder verstaut ist? Herrlich, diese Herbstsonne…

Ride it your way

BMXHeader

Jeder kennt sie, die magische Anziehungskraft eines Kultfaktors. Auch, oder sagen wir besser besonders, wir Werber machen vor ihr keinen Halt.
Neuerdings, also seit ich den Film E.T. Der Außerirdische 1986 auf VHS zusammen mit meiner Schwester sah, bin ich fasziniert vom Kultobjekt und gleichsamen Mythos BMX. Diese Räder sind klein, aber haben es faustdick hinter den Ohren. Manchmal ist das bei Menschen ebenfalls ein zu beobachtendes Phänomen.
Am Wochenende entschied ich mich, im Laden round about 20 BMX-Bikes zu testen. Schon nach kurzer Zeit war mir klar: Ohne ein BMX, werde ich diesen Laden nicht mehr verlassen. Langsam wird es Zeit sich wirklich bewusst für dieses Kultobjekt zu entscheiden und nicht wie gehabt nur annoym. Nachdem ich 157 Minuten in diesem Laden verbracht hatte, entschied ich mich für das Bike, was am besten zu mir passt, um natürlich auch die Wirtschaft anzukurbeln und so meinen Teil bekennend bewusst beizusteuern.

BMXbikeSo ein Kultfaktor kann einem ganz schön zusetzen. An dieser Stelle möchte ich dem Begründer der Herstellerfima Univega, Mr. Ben Lawnee, danken: Yes, I ride it my way. So ist das eben, die einen sind fasziniert von Autos, die anderen von Toastern und manche eben auch von BMX Rädern.

Im Kindesalter lernen wir alle das Gefühl kennen, etwas unbedingt haben zu wollen. Natürlich steht das immer in Abhängigkeit zu dem, was uns umgibt, den Mitteln und der Erfahrungen. In der Wüste würde ich sicherlich fluchen, wenn mir dort jemand einen Toaster geben würde und die Wasserflasche selbst auszüppeln würde.

Ein Kultfaktor kommt nicht als selbiger zu Welt. Es bedarf viel Stehvermögen, lange Bekanntheit sowie Aufmerksamkeit der Konsumenten. Wer hätte gedacht, dass 70er Jahre Tapeten einst einen Kultfaktor erlangen? BMX Räder fahren nur Kinder, genauso gingen Die Simpsons als gelbe Kinderserie an den Start. Ein richtiger Kultfaktor wächst und gedeiht mit Weile. Es bedarf einer mitfiebernden Fangemeinde und viel Aufmerksamkeit. Ich als Werberin bin begeistert von Kultobjekten, da es zumeist Produkte betrifft, die eine lange Durststrecke hinter sich haben und sich doch an die Spitze katapultiert haben. Man denke an Nivea, Mercedes-BenzBrand-Zwieback, Die Drei Fragezeichen, Tetris und auch der Hersteller Nintendo, VW-Bulli, Afri-Cola, Harley-Davidson, Nutella,  …Mini schafft es gleich zwei Mal.
Selbst junge Marken schaffen es im Kindesalter zum Kultstatus. Man denke an Bionade, Red Bull, Freitag-Taschen und so weiter.

Man halte also fest: Kultobjekte machen sehr viel Spaß. Ich habe eins gewählt, mit dem ich jeweils morgens und abends ein waschechtes Hell Yeah auf über die Lippen bringe. Fehlt nur noch E.T. Selbst, doch das wird sicher erst Teil meiner nächsten Herausforderung werden.

Ewiger Spagat – oder: Die anstrengende Balance zwischen Aufwand und Nutzen

HeaderKamelbild

Bei unserem gestrigen KM2-Ideenstorming für einen Kunden stieß fiel mir mal wieder auf, dass der gemeinsame Kreativreigen von vornherein unter dem Erstickungsmotto Die Umsetzung darf nix kosten stand. (Der etwas gnädigere Bruder dieses Mottos heißt: Darf nicht viel kosten. Da hat man dann ein bisschen mehr Luft.)

Also: Immer ist kreatives Vollgas angesagt, aber preislich muss die Umsetzung so flach wie möglich, am besten auf Niveau der Grasnarbe bleiben. Eigentlich gehört dieser Spagat zu unserem täglich Business, wenn ich das so sagen darf. Leider, leider, denn was, frage ich Kreativlüsterner, könnte man stemmen, hexen, in fantastische Höhen katapultieren oder Wildes von der Kette lassen, wenn nicht gleich immer das Budget bei 2 Euro fuffzig läge?! Wunschraum eines Agentursoldaten, ich weiß.

Aber mal fürs Protokoll: Das ökonomische Prinzip sieht an sich nicht vor, dass man das allerbeste Ergebnis zu möglichst geringen Kosten anstrebt. Entweder peilt man ein feststehendes Ziel mit möglichst geringem Aufwand an (Minimum-Prinzip). Oder man versucht mit gegebenen Mitteln das bestmögliche Ergebnis zu erreichen (Maximum-Prinzip). Ja, theoretische Feinheiten, ich weiß, aber da kann man mal sehen, wie ungeschliffen die Praxis sein kann. Anyway…

Die Sache mal anders betrachtet: In jedem Ratgeber für Kreativtechniken heißt es, Ideen sollen in der Findungsphase ohne jegliche Form der Bewertung oder Beschränkung sprudeln. Feel free! Any idea is a good idea…
Ein Sparfuchs-Budget ist doch dann allemal eine totale Spaßbremse.

Ich fordere daher: Nieder mit den Billig-Budgets! Alle Macht der kecken Kreativität! Mehr mutige Kunden!

Unter uns: Wirtschaftliche Zwänge sind die Realität. Money matters. In harten Zeiten sowieso. Aufwand und Nutzen sind in ein gesundes Verhältnis zu bringen. Ja, doch. Das Ergebnis muss nicht schlecht sein, ist aber doch manchmal ein Kompromiss. Zwangsweise… Unser Bestes geben wir ohnehin. So ist das Leben.

Aggressivstmöglich

Der Regenbogen e. V. rührt mal wieder die Trommeln. Und das aggressivstmöglich: Der Verein mit Sitz in Saarbrücken, der seit 1999 Stein und Bein in Bewegung setzt, um Aufklärungsarbeit rund um HIV und Aids zu leisten, startet anlässlich des Welt-Aids-Tages die Kampagne AIDS IST EIN MASSENMÖRDER.

Die Grundidee ist schnell umrissen: Junge Frauen haben (offenbar ungeschützten) Sex mit Adolf Hitler, Saddam Hussein oder Josef Stalin. Die Botschaft wird hier also mit dem Hammer verabreicht. Aufmerksamkeit dürfte der Kampagne sicher sein. Das Ganze ist definitv ein Hingucker, obwohl es fast schon zu platt ist… Es ist wie bei einem Unfall: irgendwie hmm, ich schaue aber trotzdem hin. Ziel erreicht, würde ich sagen. (Erstaunlich, wie sehr die Gefühlswelt geeicht ist, die diese Gesichter auslösen.)

(Update, 16.9.2009: AIDS ist ein Massenmörder von Laborarbeiter auf Vimeo.)

2007 durften wir das engagierte Führungs-Duo des Vereins kennenlernen, als wir die Website für die damalige WIR SIND EGO-Kampagne pro bono umsetzten. In unseren Gesprächen machte Regenbogen klar, dass angesichts der Sorglosigkeit und des fehlenden Interesses, mit der man Aids mittlerweile begegnet, laute Botschaften ein Muss seien. Tragisch, dass dieses wichtige Thema auf die LAUTER-/HÄRTER-/SCHNELLER-Weise bearbeitet werden muss.

Update, 10.09.09:
Der Aufschrei der Entrüstung ist laut. Die Kampagne spaltet. Auf YouTube ist der Video-Spot zur Kampagne übrigens verschwunden.

Update, 11.09.09:
Uh, die Wellen schlagen ziemlich hoch: Alle paar Stunden stolpert man in irgendeinem Medienkanal über einen Bericht oder eine Kommentierung der neuen Regenbogen-Kampagne. Den Vorwurf der Entwürdigung von HIV-positiven Menschen, die mit einem der unmenschlichen Diktatoren gleichgesetzt würden, kann ich nicht nachvollziehen. Es handelt sich doch gewiss nicht um eine unmittelbare, sondern vielmehr um eine abstrakte Gleichsetzung: AIDS ist der Massenmörder – und nicht der HIV-Positive.

Da kann ich die Einwände, die auf die Schwierigkeiten einer Themenvermengung (HIV und Nationalsozialismus) mit einer daraus folgenden Unvergleichbarkeit von “HIV-Opfern” und Opfern der Nazischrecken hinweisen, eher verstehen.

Drastische Kommunikation polarisiert nach wie vor. Stellt sich immer noch die Frage: Ziel erreicht?

Kurz notiert: GEWONNEN!

Buch

Es zählen auch die kleinen und feinen Dinge im Leben: Wir haben das letzte Gewinnspiel der Protextbewegung gewonnen. Der Gewinn liegt jetzt auf meinem Tisch und unterstützt mich ab sofort im täglichen Kampf der Texte.

So lass ick mir det jefallen, wa!

Tschüss, Abwrackprämie

RIPAbwrack2

Heute schlug das letzte Stündlein der Umwelt Abwrackprämie. Das Pulver ist verschossen, die fünf Milliarden perdu und die Automobilbranche für immer gerettet. Hemdsärmelige Politiker können sich auf die Schultern klopfen. “Alter Verwalter, haben wir was bewegt.”

Mancher Möbel- oder Tourismusanbieter und manche Autowerkstatt, heißt es, freut sich jetzt nicht so. Klar, bei 2,5 K Staatszuschuss für ein neues Auto verzichtet man schon mal auf die geplante Couch oder die Sommerfrische in ItaNien. Und der Gebrauchtwagenmarkt soll auch ein bisschen durcheinander geraten sein. Aber das macht nix: Wo Holzmann Holz gehobelt wird, fallen Späne. (Ja doch, fünf Euro ins Phrasenschwein.)

Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir eine Abwrackprämie für Websites wünschen. Dann würde der KM2 >> Herbst wahrscheinlich noch heißer werden. Oder wie wäre es mit einer Abwrackprämie für unser Steuersystem? Genau, eine Steuerreform fände ich toll. Davon hätte ich mal was. Nur schade, dass der Staat daran wegen der Konjunkturprogramme in Fantastilliarden-Höhe und Steuerausfälle kein Interesse hat. Wird dann wohl nix mit meinem Wunsch.

Sie möge in Frieden ruhen, die Abwrackprämie. Tschüsschen…

Ich trete einer Partei bei, ich lass es bleiben, ich trete bei, ich lass es bleiben, ich trete bei, ich lass es bleiben, ich trete bei… … …

KM2 >> freut sich

Freude

Wir freuen uns einen Ast über weitere Projektzusagen und hauen unsere Freude einfach mal so raus in den Äther.

Es wird ein heißer Herbst. So lieben wir’s. Über Details werden wir bei Gelegenheit berichten. Bis dahin freuen wir uns, wenn der eine oder andere sich wiederum mit uns freut. Bei einem Kaffee? Oder Bier? Anklopfen, anstoßen, mitfreuen.