Archiv für den 08. September 2009

Aggressivstmöglich

Der Regenbogen e. V. rührt mal wieder die Trommeln. Und das aggressivstmöglich: Der Verein mit Sitz in Saarbrücken, der seit 1999 Stein und Bein in Bewegung setzt, um Aufklärungsarbeit rund um HIV und Aids zu leisten, startet anlässlich des Welt-Aids-Tages die Kampagne AIDS IST EIN MASSENMÖRDER.

Die Grundidee ist schnell umrissen: Junge Frauen haben (offenbar ungeschützten) Sex mit Adolf Hitler, Saddam Hussein oder Josef Stalin. Die Botschaft wird hier also mit dem Hammer verabreicht. Aufmerksamkeit dürfte der Kampagne sicher sein. Das Ganze ist definitv ein Hingucker, obwohl es fast schon zu platt ist… Es ist wie bei einem Unfall: irgendwie hmm, ich schaue aber trotzdem hin. Ziel erreicht, würde ich sagen. (Erstaunlich, wie sehr die Gefühlswelt geeicht ist, die diese Gesichter auslösen.)

(Update, 16.9.2009: AIDS ist ein Massenmörder von Laborarbeiter auf Vimeo.)

2007 durften wir das engagierte Führungs-Duo des Vereins kennenlernen, als wir die Website für die damalige WIR SIND EGO-Kampagne pro bono umsetzten. In unseren Gesprächen machte Regenbogen klar, dass angesichts der Sorglosigkeit und des fehlenden Interesses, mit der man Aids mittlerweile begegnet, laute Botschaften ein Muss seien. Tragisch, dass dieses wichtige Thema auf die LAUTER-/HÄRTER-/SCHNELLER-Weise bearbeitet werden muss.

Update, 10.09.09:
Der Aufschrei der Entrüstung ist laut. Die Kampagne spaltet. Auf YouTube ist der Video-Spot zur Kampagne übrigens verschwunden.

Update, 11.09.09:
Uh, die Wellen schlagen ziemlich hoch: Alle paar Stunden stolpert man in irgendeinem Medienkanal über einen Bericht oder eine Kommentierung der neuen Regenbogen-Kampagne. Den Vorwurf der Entwürdigung von HIV-positiven Menschen, die mit einem der unmenschlichen Diktatoren gleichgesetzt würden, kann ich nicht nachvollziehen. Es handelt sich doch gewiss nicht um eine unmittelbare, sondern vielmehr um eine abstrakte Gleichsetzung: AIDS ist der Massenmörder – und nicht der HIV-Positive.

Da kann ich die Einwände, die auf die Schwierigkeiten einer Themenvermengung (HIV und Nationalsozialismus) mit einer daraus folgenden Unvergleichbarkeit von “HIV-Opfern” und Opfern der Nazischrecken hinweisen, eher verstehen.

Drastische Kommunikation polarisiert nach wie vor. Stellt sich immer noch die Frage: Ziel erreicht?