Schwebezustand

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Irgendwie hat diese frühherbstliche, mit Spätsommeranflügen gesprenkelte Zeit etwas Schwebendes. Es herrscht eine sonderliche Übergangsstimmung – von warmer zu kalter Witterung, von Zeit mit Abwrackprämie zu Zeit ohne. Und alle warten auf die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen – und vor allem auf die Wahl… und irgendwie auch wieder nicht, weil der so unsäglich (Achtung: Ironie!) spannende Wahlkampf 2009 uns zeigt, was zu erwarten ist: Bei solch messerscharfen Allgemeinplätzen wie, ich zitiere, Wir haben die Kraft, Deutschland kann es besser oder Unser Land kann mehr darf man sich wohl allein darüber freuen, dass man den Anstand hatte, die Botschaft des Obama-Wahlkampfes nicht direkt mit einem Ja, wir können’s! zu übernehmen.

Und wir schweben weiter…

Und doch: Die Probleme der Welt, der Moderne drücken, die gebratenen Tauben fliegen uns (mancher Utopie aus dem frühen letzten und vorletzten Jahrhundert zum Trotz) nach wie vor nicht in den Mund, der Wettbewerbsvorteil unserer Wohlstandsgesellschaften schwindet, die sozialen Errungenschaften bröckeln, weil sie nicht mehr bezahlbar sind, und was Segen (Moderne Medizin, Effizienzsteigerung…) war, bringt Fluch (Überalterung, Überforderung und Preisverfall…) mit sich.

Mal ehrlich, wir alle würden irgendwie gern ein bisschen an der alten Welt, der alten Bundesrepublik festhalten. Von Paradigmenwechsel keine Spur, wo wir doch aber sozial, ökologisch und wirtschaftlich in einer Zeitenwende stecken, die sich gewaschen hat, gegen die wir uns alle ein bisschen wehren, von der Notiz zu nehmen wir, wenn wir in einem Job rotieren, gar keine Zeit haben, da die immer enger gezurrten Märkte mit immer höherer Produktivität bzw. verbesserter Effizienz zu beackern sind.

Und wir wundern uns multimedial über Jungmänner, die in Schulen Amok laufen oder Menschen zu Tode prügeln? Aber, was übe ich mich hier in Gesellschaftskritik?!? Hab gar keine Zeit. Ist doch nur Spaß. Die Kunden warten. Und der Urlaub. Und: Ich hätte mir doch mit der Abwrackprämie einen neuen Wagen zulegen sollen. Ob die A1 heute wieder verstaut ist? Herrlich, diese Herbstsonne…

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Geschrieben am Freitag, 18. September 2009, von Nik, abgelegt unter Allgemein

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4 Antworten zu “Schwebezustand”


  1. Serraberra sagt:

    Sonne??? Wo???

  2. Ada sagt:

    Bei uns scheint immer die Sonne :)
    Aktuell ist es gelb-gold in Düsseldorf und warm obendrein. #Spätsommer

    Ich kenn’ da jemanden, der sich besonders auf den Spätsommer freut. An dieser Stelle sage ich: Ich gönne ihn dir UND genieße ihn in allen Zügen. Grüße an zuhause!

  3. Nik sagt:

    @Serraberra: Und heute am Montag scheint sogar schon wieder die Sonne. Find ich… erbaulich.

  4. Serraberra sagt:

    Ja ich muss gestehen, Sonnenschein tut gut.
    Nachdem die Sonne heute Nachmittag den Nebel endlich besiegt hat, war es richtig angenehm. :)


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