Programmieren, so meinen die Google-Ingenieure, sei viel zu schwierig. Also sind sie hingegangen und haben ein interessantes soziologisches technisches Experiment gestartet: Mit Googles Hebel eine Programmiersprache in freier Wildnis zu entwerfen: Go-Lang.
Denn wenn selbst eine Hardwarebude wie Apple daher kommt und anfängt die Urgroßmutter C um neue Sprachfeatures zu erweitern, kann es ja nicht angehen, dass die Damen und Herren bei Google zurückstehen. Mit Versprechungen halten die Go-Macher nicht gerade hinter dem Berg: Einfaches Programmieren, schneller Code, einfach umzusetzende Nebenläufigkeit, Spaß soll es auch noch machen und dass es Open Source ist versteht sich ja von selbst. Dann muss es ja wohl gut sein, oder?
Oder? Oder!?
Nein, gut ist anders. Viel und ganz anders. So begrüßenswert der Versuch auch sein mag, eine fixe Sprache mit eingebautem Garbage Collector zu etablieren … die Konzepte wirken nicht eigenständig oder gar wie aus einem Guss. Mehr wie die Hochzeitsszene aus der Dreigroschenoper, mit einer Braut wie aus einem Tim-Burton-Film. Etwas Neues, etwas Gebrauchtes und etwas Blaues. Und mit Zombies.
Man glaubt es kaum: Google verzichtet auf LLVM und stampft stattdessen eine eigene Toolchain aus dem Boden. Der 6g-Compiler ist trotzdem ziemlich fix und mit den Fehlermeldungen kann man arbeiten. Effizienter Compilerbau ist keine Kleinigkeit, gerade wenn man die Sprachfeatures nicht mal halbwegs spezifiziert hat. Hut ab Google, Yeah!
Die Features und Konzepte sind dann aber schon weniger Yeah!: Keine Typehierachie, dafür aber Interfaces, das Modulkonzept ist eine wilde Mischung aus Java und Python, keine Exceptions, Unicode-Unterstützung nur über zusätzliche Module (wtf?!), kein sauberes Asserting (hey, by design *hust*) und von dem Versprechen der einfachen Nebenläufigkeit ist man noch Lichtjahre entfernt.
Egal. Hey, jeder Hacker sollte wenigstens einmal in seinem Leben eine Programmiersprache entwickelt haben. Das geht schon in Ordnung, auch wenn das Ergebnis wirkt wie eine Chimäre aus C, C++, Erlang, Python und Scala.
Wirklich interessant ist aber wie die Community reagiert. Bis heute morgen sind etwa 600 Mails aufgeschlagen, Interesse ist also da. Neben der - nachvollziehbaren - Forderung nach Exceptions und sonstigem technischem Zuckerguss, fragen Leute (ernsthaft!), ob Go nicht die richtige Sprache für die Umsetzung ihrer Business-Transaktionen sei. Immerhin stamme sie ja von Google, da müsse das ja gut sein.Oder, ob nicht jemand Lust hätte, ein MVC-Framework zu schreiben, denn Go sei ganz toll und alles was man bräuchte wäre ein bisschen Code um in Gang zu kommen. Oder, ob jemand nicht einen MySQL-Treiber schreiben wollte, den bräuchte nämlich jemand. Dringend!
Kleine Projekte, kleine Sorgen – große Projekte, große Sorgen. Immerhin haben sie ein süßes Maskottchen.
Geschrieben am Donnerstag, 12. November 2009, von Alex, abgelegt unter Allgemein
Tags: Go, Programmiersprache, Technikzeugs








Thumbs up!
Und das Maskottchen ist in der Tat sehr süß.