Archiv für den Monat September 2010

Content ist King

Was für ein Tüte Milch gilt, gilt gleichermaßen für ein Buch, eine Broschüre oder eine Website: Ohne Inhalt wären die Dinge “leer”.

Was für ein blöder Anfang, wird jetzt mancher denken. Tschuldigung, aber Artikelanfänge regnen auch nicht vom Himmel. Und da sind wir schon mitten im Thema. Inhalt, Content, Text, Botschaft – das ist das Fleisch einer Website. Und ohne Fleisch keine Wurst. Ohne Inhalt keine Website. Oder: Ohne Inhalt kein Verstehen.

Worauf ich mit diesem verschwurbelten Anfang hinaus will, ist, dass Inhalt wichtig ist und es gar nicht so einfach ist, diesen Inhalt für eine Website zusammenzuschustern. Man sollte es zumindest nicht unterschätzen. Wie häufig kommt es vor, dass ein Web-Projekt in der Warteschleife hängt, weil die Texte nicht fertig sind oder man sich sehr spät und erst dann ausgiebig Gedanken macht, was man überhaupt auf der Website sagen will. Schlimmer noch, wenn man sich darüber nur kurz Gedanken macht. Dass man sich gar keine Gedanken macht, will ich jetzt keinem unterstellen, aber manchmal, ja, manchmal könnte man schon meinen… Egal.

Content ist, wenn nicht Kaiser, dann aber King. Ohne Inhalt geht nichts. Und je besser der Inhalt, umso… besser. So einfach ist das. Fast, weil Texten nicht ganz so leicht ist. Finde ich. Da ist das weiße Blatt Papier. Die fiese Qual der Wortewahl. Da kann man sich schon die eine oder andere Stirn an Tischkante blutig schlagen, wenn die Sätze nicht so recht sprudeln.

Wie bei allem gilt auch für die Erstellung von Inhalt: Ziele festlegen. Was will ich mit dem Text sagen? Wen will ich erreichen? Das hilft. Und bitte mal eine andere Person lesen lassen. Mindestens eine. Das hilft auch. Und vielleicht mal eine Nacht über den Text schlafen. Wenn Zeit ist.

Das soll hier jetzt kein Autoren-Workshop sein. Eher ein Eselsohr oder ein Knoten im Tuch für das Fazit: Inhalt ist wichtig. Ich bitte schlicht darum, die Inhaltserstellung nicht zu unterschätzen. Danke.

Wir helfen gern.

So, jetzt hab ich Hunger. Tschüss.

Und immer schön an den Leser denken.

Werbung ohne Inhalt: Wo sind meine Schokolinsen?

Jüngst Post bekommen. Ein schwäbischer Werbeartikelhersteller will mich von seinem “Schoko-Taschen-Adventskalender mit 24 bunten Schokolinsen” überzeugen. Wie eine Pillenpackung kommt der Kalender daher. Die Alufolienbeschichtung kann man mit seinem Firmenlogo, frohen Botschaften oder Claims personalisieren lassen. Die Linsen könnte ich wie Tabletten aus der Verpackung knipsen. Könnte, wenn da nicht eine Sache wäre: Meinem Demo-Schokolinsenkalender fehlen die Schokolinsen.

Liebe Leute, wenn schon Demo, dann doch bitte mit Linsen. Darüber hätte ich mich wie ein Quietsche-Kind gefreut. Echt! Aber so…

Da wird B2B-Werbung durch eine Musterpackung mit einem emotionalen Versprechen aufgeladen, meine kindliche Schokoerwartung geweckt und dann ist die Musterpackung leer. Gibt’s doch gar nicht.

Sind Schwaben wirklich so knauserig? Das ganze Fantasiegebäude in meinem Kopf ist eingestürzt. Vielleicht hätte ich mit einer süßen Schokolinse auf der Zunge sogar diese Kalender bestellt. Aber so fühle ich meine Lust, mich durch Werbung verladen zu lassen, fast ein bisschen verhohnepiepelt.

Was kost’ die Welt?

Es passiert immer mal wieder, dass wir auf eine Frage wie z. B. “Was kostet ein Online-Shop?” mit unserer Antwort lange Gesichter ernten. Unsere Antwort lautet nämlich: “Kommt ganz darauf an.”

Die Ernte langer Gesichter liegt nicht in unserer Absicht. Und was vielleicht wie eine belehrende Ankündigung klingt, ist auf keinen Fall so gemeint; wir sehen es vielmehr als unser (Voraus-)Denken im Sinne des Kunden.

Hinter dem “Kommt darauf an” steckt das Ziel eines Ansatzes, der möglichst alle Fragen, Möglichkeiten, Kostenfaktoren und Stolperfallen berücksichtigt. Aktivitäten in der Online-Welt sind genauso komplex (oder einfach) wie in der Offline-Welt. Fragen Sie mal einen Fachmann danach, was Sie tun und beachten müssen, um ein Restaurant zu eröffnen. Seine Liste wird nicht kurz sein. Und das eine oder andere wird für ihn vom Konzept abhängen.

Unser Ansatz sieht z. B. bei einem E-Commerce-Projekt die Klärung von Fragen folgenden Kalibers vor:

  • Wie steht es um die Warenwirtschaft bzw. -verwaltung?
  • Was ist mit den Finanzbuchungen?
  • Wie soll die Logistik abgewickelt werden?
  • Welche Zahlungsmöglichkeiten sollen angeboten werden?
  • Was ist mit der Gestaltung der ganzen Angelegenheit?
  • Wie ist die Pflege der Produktinhalte und -bilder vorzusehen?
  • Shop-Zertifizierung?
  • Reaktionszeiten?
  • Retouren?
  • Und, und, und.

Ganz zu schweigen von technischen Folgeaspekten wie Support, Wartung oder technische Weiterentwicklung (Updates). Oder Vermarktungsfragen wie Online-Marketing oder Suchmaschinen-Optimierung. Solche Belange brauchen unbedingt eine langfristige Perspektive bzw. hängen von der Lebensdauer des Web-Projektes ab: So lange der Shop online ist, so lange sollte man sich darüber Gedanken machen.

Auf diese Weise nähert man sich dem, was man so schön buzzy die “Total Cost of Ownership” (häufig auch TCO abgekürzt) nennt. Das sind salopp gesagt die Gesamtkosten eines Projektes über seine gesamte Laufzeit.

Keine Sorge, über alle diese Dinge zerbrechen wir uns den Kopf und erarbeiten ein ganzheitliches Konzept. Im Sinne des Kunden. Wir wollen niemanden ärgern. Unserer Auffassung nach ist es sinnvoll, sich mit diesen Punkten zu beschäftigen. Als Grundlage für einen guten Job. Aus Berufsehre sozusagen.

Gern würden wir mit Pauschalantwort und -preis daherkommen, aber ganz so einfach wie der Brötchenkauf beim Bäcker ist ein Online-Projekt häufig nicht. Vor allem, wenn es kommerzielle Ziele verfolgt.

Sei kreativ! Eine Pi-mal-Daumen-Anleitung

Kreativ sein ist Arbeit. Klar, Geistesblitze gibt es. Manchmal aber braucht ein Projekt viele Einfälle, eine ganze Ideenkaskade. Um solche Schubkarren voll Output liefern zu können, kann man in der Gruppe (Agenturkreative) strukturiert vorgehen.

Eine kleine Anleitung mit Beispielen:

(1) Formuliere das Ziel: 1 Million Gestaltungsideen für die Website von Kunde Kola Koka in zwei Stunden.

(2) Definiere ein Vorgehen bzw. eine Technik: Klassisches Brainstorming mit x kreativen Leuten, die sich 20 Minuten Ideen zurufen. Moderator mit Click-Fragen. 635-Technik. Oder, oder, oder…

(3) Ruf die Leute zusammen: am besten das Team, das die Ideen umsetzen soll. Oder hol dir mal welche von der Straße.

(4) Finde einen Moderator: Der führt, inspiriert und reizt die Leute und stellt die richtigen Fragen zum richtigen Zeitpunkt. Wenn du keinen findest, mach es selbst.

(5) Finde einen Protokollanten: Einer muss alles aufschreiben. Nichts ist schlimmer als eine verloren gegangene Idee. Und sag nicht: Die Idee ist nicht gut, wenn man sich nicht daran erinnert. Das ist Blödsinn. Zunächst zählt alles, was aus den Köpfen kommt.

(6a) Feuer frei: Ideen an die Sonne mit welcher Vorgehensweise auch immer. Der Moderator führt, inspiriert, fragt und reizt. Die Beteiligten formulieren Ideen, greifen Gedanken anderer auf, sprühen, spinnen, entwickeln weiter, lassen die Gäule durchgehen. Geballte Kraft der Gruppe. Der Protokollant schreibt mit.

(6b) Sei konzentriert.

(6c) Sei locker.

(6d) Hab Spaß.

(6e) Sei offen für Neues.

(7) Zum Schluss: Bewerte die Ideen nach Eignung und Umsetzbarkeit.

Am Ende dieser 7 Stiefelschritte zur kreativen Glückseligkeit müsste ein brauchbarer Stapel Ideen entstanden sein. Die Umsetzung kann beginnen.

Be creative!

Gewohnheitstier

Erstaunlich, wie schnell man sich innerhalb eines Tages an Funktionalitäten gewöhnen kann. Manchmal höre ich neben meiner Arbeit Musik, z. B. bei simfy.de. So heute.

Und jetzt habe ich mich im Laufe des Tages so an die simfy-Suchfunktion mit eingebauter Vorauswahl gewöhnt, dass ich bei einer anderen Website ganz enttäuscht war, als mir nach Eingabe einiger Buchstaben keine Vorschlagsliste angeboten wurde. So was nennt man wohl Erwartungsüberlagerung. Strunz.

So, weiter: Textarbeit wartet noch. Ach ja, und mein Sohn bei der Tagesmutter. Ups. Schön’n Abend.

Netzneutralität ist wichtiger als Panik wegen Google Street View

Wir können die hiesige Panik wegen Google Street View nicht nachvollziehen. Datenzurückhaltung und -schutz sind wichtig, aber gibt es in diesem Feld nicht wichtigere Baustellen als das panikhafte Rauschen um die Ablichtung von Straßen in deutschen Städten für Street View? Zum Beispiel das stille Ausspionieren der Inhalte meiner eMails, wenn ich Google mail nutze.

Was ist mit dem Thema Netzneutralität? Wenn ein dicker Netzbetreiber darüber entscheidet, was ich im Netz zu sehen bekomme und was nicht, die Daten, die durch die Leitung kommen, also nicht mehr neutral behandelt werden, dann sollte mich das mehr kratzen als ein Foto meiner Hausfassade (Achtung: Öffentlicher Raum, Bilder machen erlaubt!).

Bei Google Street View geht es um die Aufbereitung von Bildinformationen, die ohnehin bekannt, verfügbar oder ohne Einwand (re)produzierbar sind. (Was ist übrigens mit Google maps?) Street View findet außerdem statt vor dem visionären Hintergund sinnvoller Vernetzung: Ausblick: Ein Google Street View-Nutzer im Jahr 2020: “Doch nicht so übel die Stadt. Ziemlich grün alles. Nettes Haus. Ach, da ist ein Häkchen am Fenster, dass eine Wohung frei ist. Mensch, da ruf ich mal an.”

Bei der Netzneutralität steht nichts weniger auf dem Spiel als das freie Internet wie wir es kennen. Netzneutralität hat bisher dafür gesorgt, dass es im Internet sprießt, kreucht, fleucht, wuchert und halbwegs demokratisch zugeht wie wir es täglich erleben. Wenn Unternehmen (auch oder gerade aufgrund ihrer wirtschaftlich-infrastrukturellen Stärke) diese Neutralität beenden, weil sie die einen Daten anders behandeln als die anderen, dann bestimmen sie letztlich auch darüber, was auf den Datenteller kommt – und ob ich mehr bzw. das Besondere nur bekomme, wenn ich für die Durchleitung bezahle. Man spricht schon von so etwas wie dem Zwei-Klassen-Internet. Abstraktes, komplexeres Thema, über das man sich sicher ein, zwei Stündchen austauschen kann. Aber der Aufreger über konkreter fassbare Straßenbiler ist einfacher.

Köstlich übrigens die Leute, die sich öffentlich über Google Street View aufregen und dann mit vollem Namen vor ihren Häusern in der Zeitung zu sehen sind.

Das Argument, Langfinger bekommen mit Street View ein Tool für das bequeme Ausspähen von Häusern und Grundstücken, kann ich nicht gelten lassen. Die Eisenbahn wurde auch nicht abgeschafft, weil Einbrecher schneller zum nächsten Bruch und wieder nach Hause kommen.