Mit ‘Abwrackprämie’ getaggte Artikel

Am eigenen Leibe – Politikerschelte

Man könnte den Eindruck bekommen, dass unsere Damen und Herren Politiker bei gewissen Themen erst dann aktiv werden, wenn Sie die negativen Auswirkungen am eigenen Leibe (auf Bürgerniveau sozusagen) erleben bzw. erleiden müssen.

So zumindest fühlt es sich an, wenn unser Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) sich nach einer Autofahrt, bei der er sich über einen allzu langen LKW-Überholvorgang mit Nachfolgestau aufgeregt hat, für ein LKW-Überholverbot stark macht.

Das erinnert mich an die Aussage des gesundheitspolitischen Sprechers der SPD, Karl Lauterbach, dass sich für eine ordentliche Regelung des Themas Krankenversicherung erst dann eine breite Basis finden ließe, wenn unsere Entscheidungsträger (sprich: Politiker) mehrheitlich durch gesetzliche Krankenkassen versichert wären. Sie würden so die Auswirkungen des Gesundheitssystems selbst erleben. Also doch eine abgeschottete Kaste, die uns da regiert?

Willkommen in meiner Pendlerwelt, Herr Ramsauer. Aber da muss erst einmal ein Minister persönlich im real existierenden Autobahnwahnsinn (vom Chiemgau bis nach Bonn, wie es hieß) am Steuer sitzen und Staufrust schieben, bevor sich etwas tut. Könnte man meinen. – Wird sich etwas tun? Steht die Kuh nicht schon seit den Siebzigern auf dem Eis bzw. auf der Autobahn?

Autobahnbaustellen hat Herr Ramsauer ebenfalls den Kampf angesagt: Die Bauzeiten sollen verkürzt werden. All das geht leider nur im Einverständnis mit den Bundesländern. Er würde ja gern, aber die Länder, tja.

Auf die Straßenplaner in den Städten, Gemeinden und Ländern würde ich nicht zählen, wenn ich mir das rücksichtslose Baustellenchaos draußen anschaue. Stimmt sich da eigentlich mal die eine Kommune bzw. Stadt mit der anderen ab? Man fahre nur die A1 und die A46 im Großraum Wuppertal-Düsseldorf-Köln. Viel Spaß!

Aber das Geld aus den Konjunkturpaketen muss ja auf Teufel komm raus verbraten werden. Was interessieren da die Autofahrer. Selbst schuld, wenn man morgens zur Arbeit, mittags zu einem Termin und abends zur Familie muss.

Noch etwas: Herr Ramsauer hat auch die PKW-Maut erwähnt: die stehe nicht zur Debatte, aber er erteile keine Denkverbote. Aha. Bin gespannt, ob das nach der NRW-Wahl nicht doch ein Thema werden könnte. Vielleicht wird man als PKW-Fahrer auf den Autobahnen ja irgendwann zur Kasse gebeten, in einem Land, das seit Jahrzehnten konsequent auf die Straße und nicht eine gelungene Alternative auf der Schiene setzt.

Geht Frau Merkel eigentlich selbst einkaufen?

Update vom 15/04/2010:

Nachtigall, ick hör dir trabsen: Das Umweltbundesamt in Dessau befürwortet, so rauscht es heute durch die Presse, eine PKW-Maut. Drei bis vier Euro pro 100 Kilometer. Ggf. komme ein Wegfall der KFZ-Steuer in Frage.

Da schleicht sich ein Thema an, wird von verschiedenen Seiten salonfähig gemacht und – schwupp – steigt die Abgabenlast des Bürgers erneut. Ist das noch schlüssig: Abwrackprämie, “Kauft Autos!” einerseits, autobefreite Innenstädte, Parkverbote, eventuell eine PKW-Maut und die dürftige Alternative öffentlicher Verkehrsmittel andererseits?

Willkür? Ratlos.

Schwebezustand

HeaderSchweben

Irgendwie hat diese frühherbstliche, mit Spätsommeranflügen gesprenkelte Zeit etwas Schwebendes. Es herrscht eine sonderliche Übergangsstimmung – von warmer zu kalter Witterung, von Zeit mit Abwrackprämie zu Zeit ohne. Und alle warten auf die Wirtschaftskrise und ihre Auswirkungen – und vor allem auf die Wahl… und irgendwie auch wieder nicht, weil der so unsäglich (Achtung: Ironie!) spannende Wahlkampf 2009 uns zeigt, was zu erwarten ist: Bei solch messerscharfen Allgemeinplätzen wie, ich zitiere, Wir haben die Kraft, Deutschland kann es besser oder Unser Land kann mehr darf man sich wohl allein darüber freuen, dass man den Anstand hatte, die Botschaft des Obama-Wahlkampfes nicht direkt mit einem Ja, wir können’s! zu übernehmen.

Und wir schweben weiter…

Und doch: Die Probleme der Welt, der Moderne drücken, die gebratenen Tauben fliegen uns (mancher Utopie aus dem frühen letzten und vorletzten Jahrhundert zum Trotz) nach wie vor nicht in den Mund, der Wettbewerbsvorteil unserer Wohlstandsgesellschaften schwindet, die sozialen Errungenschaften bröckeln, weil sie nicht mehr bezahlbar sind, und was Segen (Moderne Medizin, Effizienzsteigerung…) war, bringt Fluch (Überalterung, Überforderung und Preisverfall…) mit sich.

Mal ehrlich, wir alle würden irgendwie gern ein bisschen an der alten Welt, der alten Bundesrepublik festhalten. Von Paradigmenwechsel keine Spur, wo wir doch aber sozial, ökologisch und wirtschaftlich in einer Zeitenwende stecken, die sich gewaschen hat, gegen die wir uns alle ein bisschen wehren, von der Notiz zu nehmen wir, wenn wir in einem Job rotieren, gar keine Zeit haben, da die immer enger gezurrten Märkte mit immer höherer Produktivität bzw. verbesserter Effizienz zu beackern sind.

Und wir wundern uns multimedial über Jungmänner, die in Schulen Amok laufen oder Menschen zu Tode prügeln? Aber, was übe ich mich hier in Gesellschaftskritik?!? Hab gar keine Zeit. Ist doch nur Spaß. Die Kunden warten. Und der Urlaub. Und: Ich hätte mir doch mit der Abwrackprämie einen neuen Wagen zulegen sollen. Ob die A1 heute wieder verstaut ist? Herrlich, diese Herbstsonne…

Daimler und keine Abwrackprämie

Ich kenne jemanden, der bei Daimler arbeitet. (Wirkungspause.) Ja, wer das liest, zuckt jetzt. Der arme Mann, schießt’s einem da durch den Kopf. Vor noch nicht einmal langer Zeit, in einer gar nicht weit, weit entfernten Galaxis war es ultrababycool, bei einem Autohersteller wie Daimler oder BMW zu arbeiten; auch wenn sich damals bereits düstere Wolken über der Branche auftürmten, aber egal…

Also, mit dem, den ich kenne und der bei Daimler (zuck!) arbeitet, habe ich neulich gesprochen. Ein Teil dieses Gesprächs verlief so:

Ich: Und? Wie läuft’s bei Daimler?

Er: Ja, nicht so gut. Mittlerweile Kurzarbeit und so. Auch in der Verwaltung.

Ich: Wie geht’s denn weiter?

Er: Ist nicht so klar. Ende des Monats sollen wir mehr erfahren. Es stehen jetzt auch Entlassungen zur Debatte.

Ich: Die Abwrackprämie hilft Daimler ja nicht wirklich, oder?

Er: Nee, nicht wirklich. Das wird am Ende so laufen: VW kassiert die Abwrackprämie, Opel bekommt die Bürgschaften und wir gehen leer aus.

Da musste ich lachen, weil der, den ich kenne und der bei Daimler (zuck!) arbeitet und mir noch vor einem Jahr einen sehr, sehr krisenfesten Eindruck gemacht hat, als unmittelbar Betroffener den ganzen Rettungswahlkampf um die Automobilindustrie (Schlüsselindustrie, klar), die Abwrackprämie bzw. Umweltprämie und das Crowdsourcing Krautsourcing der Ideen in der Krise auf bitterwitzige Weise auf den Punkt gebracht hat.

Übrigens, ein anderer Bekannter, der in einer Schrauberwerkstatt arbeitet, hat zusammen mit seinen Kollegen fast nichts mehr zu tun. Klar, sind nicht so viele wie bei Daimler, Opel, BMW oder VW. Keine Schlüsselindustrie.

Dem Hörensagen nach hat der Osterhase bei einigen Familien in unserer Nachbarschaft nicht Eier, sondern Kleinwagen für alle im Garten versteckt. Sah beim Osterspaziergang zumindest so aus.

Mist, mein Twingo ist noch nicht neun Jahre alt… (zuck!)