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Früchtchen im Frühling

Früchtchen

Heute ist der Tag der Tage: Der Frühling ist da.
Wir haben bereits Gestern selbigen eingeläutet. Als Kai mal kurz draußen war, kam er zügig mit den Worten Ich hab euch was mitgebracht wieder. Tausend Dinge spukten durch meinen Kopf. Toilettenpapier, Spüli, Gläser, etwas Schickes zum hinstellen. Meine Gedanken wurden unterbrochen als Alex in Aktion trat: Was denn? Uii, wir kommen der Lösung immer näher, dachte ich und schob parallel die Kabelbinder, neue Büropflanzen und alle weiteren infrage kommenden Dinge beiseite. EIS entgegnete Kai euphorisch. Ich in Gedanken direkt bei meiner Lactase 9000 hab’ mich tierisch drüber gefreut. Man kennt es sicher, dass das erste Eis des Jahres bei strahlendem Sonnenschein am Besten schmeckt. Die Überraschung ist geglückt. Das Eis war saulecker und wir hatten den ganzen Nachmittag trotz Arbeit gefühlt dauerhaften Sommer.

Wie schaut es denn Heute aus: Strahlender Sonnenschein. In der Sonne gefühlte 23°C. Wir warten allerdings noch immer auf etwas ganz Bestimmtes. Wir warten und warten und warten. Früchtchen, komm’ in die Puschen.

Ich werde Vater (3): Warten und grübeln

Entbindungsstation Klinikum Stadt Soest. Seit nunmehr drei Tagen warten meine Liebe und ich auf unseren Nachwuchs. Aber das/die/der Kleine (Ob Mädel oder Bub, wissen wir immer noch nicht) lässt sich nicht blicken. Bei den Wirtschaftsnachrichten kann ich das gut verstehen.

Nik wartet...

Nik wartet auf sein Baby...

Noch am letzten Sonntag, als wir hier zur Kontrolle am Wehenschreiber angeschlossen wurden, gingen wir zwischen den spitzen Schreien einer jungen Frau, die gerade in fünf Metern Luftlinie ihr Kind bekam, in gedämpftem Tonfall davon aus, am Montag oder Dienstag unser Kind in den Armen zu halten. Pustekuchen! Heute ist bereits der vierte Tag. Und auch heute macht der kleine Mensch keine Anstalten, sich blicken zu lassen.

Genug Zeit, so dachte ich, mich einem langen Blogartikel widmen zu können, in dem ich etwas darüber erzähle, was wir, KM2 >>, die sexy Internet Company aus Düsseldorf, denn eigentlich so alles kann. Diese Darstellung unseres Portfolios bin ich, vielleicht erinnert man sich, bisher noch schuldig geblieben. Oder ich schreibe über den deutschen eCommerce Umsatz 2008, den die GFK vorgestern veröffentlicht hat, und wie wir unseren Kunden in Sachen Onlinevertrieb auf die Sprünge helfen.

Wohlan, munter angesetzt (Ich tippe: Die KM2 >> netz:innovationen.gmbh kann Internet und verbindet Inhalt, Funktion und Design und…), aber schon müssen wir wieder zur Untersuchung, an den Wehenschreiber oder zum Arztgespräch.

Kurzer Einschub: Natürlich ist es meine Freundin, die untersucht und an den Wehenschreiber angeschlossen wird, aber als moderner Mann ist man natürlich solidarisch schwanger. Nicht zuletzt, weil die moderne Frau es ganz gern hat, wenn der moderne Mann sich »einbringt«. Also sind wir schwanger, werden wir an den Wehenschreiber angeschlossen und von Hebammen und Ärzten untersucht, haben wir Wehen, weil bei uns die Geburt eingeleitet worden ist, und sitzen wir rum und warten und warten. Alles andere wäre Drückebergerei. (An dieser Stelle danke ich meinen Kollegen für ihr solidarisches Warten.)

Apropos Hebammen und Ärzte: Gestern erfuhren wir von einer sehr netten Hebamme, dass bei uns eine Hebamme ganz ohne Arzt Kinder zur Welt bringen darf, umgekehrt ein Gynäkologe aber eine Frau bei einer Geburt ohne Hebamme nicht mit der Kneifzange anfassen darf. Das ist sogar im Hebammengesetz geregelt. Ja, ja, man lernt nie aus.

Zurück zum Thema: Wir warten also… und warten… und warten…. Wer einen Krieg gewinnen will, sollte den Gegner einfach warten lassen, bis sich Entschlossenheit und Widerstandskraft durch Langeweile und Trägheit in Luft aufgelöst haben. Anyway, wer wartet, hat Zeit zum Nachdenken. Und ich grüble über meine hoffentlich dann doch bald beginnende Vaterschaft und darüber, was es heißt, einen kleinen Menschen in diese Welt zu setzen…

...und wartet...

...und wartet...

Was soll man halten von einer Welt, in der man selbst historische Konstanten nicht mehr gelten lässt, indem man neulich herausfindet, dass Vermeer einige seiner wichtigsten Werke gar nicht selbst malte, sondern von seiner ältesten Tochter malen ließ, Robin Hood in Wirklichkeit ein unsympathischer Terrorist und Columbus kein Genuese, sondern ein Schotte war und Shakespeare tatsächlich so aussah wie ein Ralph Fiennes in »Shakespeare in love«…?!

Aber mal im Ernst: Schaue ich mir die Welt mit den düsteren Aussichten für Wirtschaft und Ökologie an, kann einem schon mulmig werden: Auf einen Zusammenbruch des Finanzsystems folgt ein innerhalb so kurzer Zeit nie gekannter Nachfrageeinbruch, mit dem die globale Wirtschaft nun zu kämpfen hat. Deflation? Inflation? Gängige Wirtschaftsmodelle versagen.
Desorientierte und emotional verarmte Jungmänner fallen durch gesellschaftliche Raster oder rasten im wahrsten Sinne des Wortes aus.
Polkappen schmelzen, Eisbären verhungern oder ersaufen. Wasser wird in bestimmten Regionen immer knapper. Ehemals fruchtbare Landstriche werden von sich ausbreitenden Wüsten verschluckt. Und, und, und…

Was wird sein, wenn unsere Püpse in zehn, zwanzig, vierzig, fünfzig Jahren über diese Erde wandeln? (Nicht wundern, Arbeitstitel für unseren Nachwuchs lautet Püpschen, sprich: Püps-chen, nicht Püp-schen. Wer Kinder bekommt, fängt an im Diminutiv zu denken.)

Ich will nicht klingen wie ein Prophet der Apokalypse, aber man macht sich so seine Gedanken, wenn die neue Verantwortung für ein Kind an die Türen klopft.

Der eine oder andere mag nun einwenden, warum wir uns dann auf das Abenteuer Kind einlassen.
Warum nicht? Zynismus mal beiseite, Kinder in die Welt setzen ist doch die eine Tat, zu der uns unsere Biologie befähigt hat, lange bevor wir einen Mann zum Mond schießen konnten. Man will von uns, dass wir uns fortpflanzen. Wie die Wirtschaft, Umweltverschmutzung, das wunderbare Internet oder Dieter Bohlen gehören Kinder auch zum Leben. Was würde werden ohne Kinder? (Und ich will jetzt keine Diskussion über das Thema Überbevölkerung starten.) Irgendwer muss schließlich für unsere Rente sorgen, Produkte kaufen, Websites nutzen oder Deutschlands nächster Superstar werden.

Jetzt aber nochmal im Ernst und ohne Miesepeterei: Ich freue mich auf mein Kind. Auf das Abenteuer. Darauf, dass wir zu dritt sein werden und auf einmal alles auf dem Kopf stehen und anders sein wird. Point of no return. Ich freue mich darauf, Verantwortung für einen kleinen Menschen zu übernehmen, und dass noch ein schlagkräftiger Grund hinzukommt, warum man das alles hier macht.

Aktueller Zwischenstand: Die Herztöne unseres Kindes sind kräftig. Also, alles in Ordnung. Und wir warten weiter…

Warten

Gurken, annyone?

Der Volksmund ist ja ach so weise und behauptet lapidar, Vorfreude sei die schönste Freude. Das ist natürlich und bekanntermaßen Unsinn, wurde aber so oft wiederholt, dass sich dieser Spruch gehalten hat. Vorfreude ist nicht schön, sie ist nervenzerreibend.

Wir warten. Nicht auf Godot, nicht auf ein Schnitzel mit Röstkartoffeln, nicht auf die nächste geile Idee, nicht darauf, dass die Kopfschmerzen weg gehen, sondern auf den Nachwuchs!

Ehrlich: Als jemand der jetzt nicht sooo den dicken Draht zu kleinen Menschen hat, als jemand der nicht in debiles Sabbern verfällt, wenn er Babyartikel sieht (oh, ist das süüüüß(!!!), wie niiiiedlich(!!!) etc. pp.), hätte ich nicht gedacht, dass ich so aufgeregt sein könnte/würde. Wenn der Nachwuchs bis morgen nicht da ist, besorgen wir Nik einen Twitter-Account.

Boah, langsam verstehe ich, was mit Phantomschwangerschaft gemeint ist. Essiggurken, anyone?

Abbildung: Wikimedia Commons – Public Domain