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42 Thesen zur Vaterschaft

Noah-is-my-sunshine

Seit etwa sechzehn Monaten bin ich Vater von Noah. Es ist Zeit für einen Rückblick. Oder besser: Es ist Zeit, die Welt mit meinen Einsichten zu quälen beglücken: Mit meinen 42 Thesen zur Vaterschaft.

  1. Vater sein ist das Größte der Welt.
    Vater sein ist das letzte echte Abenteuer
    Ein Kind verändert alles. Seitdem der kleine Mann auf der Welt ist, ist alles anders. Es gab ein Vorher – mit Freunden, langen Nächten, Suche nach dem Selbst und anderen Ich-werde-nie-erwachsen-Freuden. Und es gibt ein Nachher – mit geduldigen Freunden, kurzen Nächten, Suche nach der Verantwortung und anderen Ich-hab-einen-Sohn-und-nun-ist-alles-anders-Freuden.
  2. Als Vater kannst du dir stundenlang dein schlafendes Kind anschauen, ohne dich auch nur eine Sekunde zu langweilen. Und du weißt, dass du dich dafür vor der Geburt für verrückt erklärt hättest.
  3. Instinktiv macht man vieles richtig, auch wenn man meint, vieles falsch zu machen.
  4. Die Mama weiß nicht immer alles besser.
  5. Als Papa weiß man auch nicht immer alles besser.
  6. Die Hebamme weiß alles. Frag sie und sie wird dir helfen. Immer.
  7. Alle zusammen wissen am meisten.
  8. Schlaf ist nicht so unwichtig wie man vor dem Vatersein immer meinte.
  9. Mein Sohn kann nichts dafür. Er hatte keine Wahl. Gib dir also Mühe, Papa.
  10. Bücher sind nicht so wichtig, aber manchmal hilfreich. Vor allem, wenn die Schreie des Kleinen schriller und länger werden, die Myelin-Schicht um deine Nerven schmilzt und keine Hebamme da ist, die man fragen kann.
  11. Wenn Mama UND Papa arbeiten, ist alles ein bisschen komplizierter. Aber so ist die Welt.
  12. Mach dich darauf gefasst, dass dir jeder (wirklich jeder), der ein Kind hat, Tipps gibt. Jeder ist stolz auf seine Erfahrungen. Du machst deine eigenen.
  13. Nichts ist schöner als die Vorfreude eines Vaters. Zum Beispiel auf den Moment, wenn ich schnaufend vor meinem Sohn stehe, ihm sage: “Noah, ich bin dein Vater!” und er weiß, was ich damit meine.
  14. Du glaubst gar nicht, was dein Kleiner schon alles kann. Dein Kind schafft es, dich jeden Tag aufs Neue zu verblüffen. Garantiert. Auch wenn es wehtut.
  15. Wenn du dir vor der Geburt viel für die Zeit danach vorgenommen hast, kannst du froh sein, auch nur einen winzigen Bruchteil davon umsetzen zu können. Du wirst ersaufen in neuen Aufgaben und froh sein, wenn du schlafen kannst.
  16. Schlaf, wann immer du kannst. Am besten, wenn dein kleines Monster die Äuglein geschlossen hat. Dann tickt die Uhr.
  17. Musik finden Kinder gut. Sing. Kinder mögen das Gebrumme der Väter. Mach Musik. Leg Platten auf. Tanz mit deinem Knirps. Jede Musik funktioniert. Auch Slayer.
  18. Eine Wohnung ist nie kindersicher. Nie! Die kleinen Langfinger finden immer etwas, was du nicht bedacht hast. Immer!
  19. Wunder dich nicht, wenn dein Baby am Anfang nicht viel trinkt und isst. Warte ab. Die Portionen werden größer. Dann wirst Du dich fragen, wohin dein Fratz das alles verdrückt. Mein Sohn isst rohe Zwiebeln. Unfassbar.
  20. Nach der Geburt deines Kindes vergeht die gefühlte Zeit dreimal schneller. “Die Zeit rast” bekommt eine ganz neue Bedeutung.
  21. Du erreichst den Punkt, an dem du glaubst, kein guter Vater zu sein. Garantiert. Halt den Ball flach und bewahr die Ruhe.
  22. Kümmer dich um dein Kind, wann immer du kannst. Lass der Mama Zeit für sich, wann immer du kannst. Nimm dir Zeit für dich, wann immer du kannst. – Niemand hat gesagt, dass es leicht ist.
  23. Du brauchst für alles dreimal so lang. Mindestens.
  24. Benutze deinen Verstand. Aber hör bei allem auf deinen Bauch. In dir läuft ein Ur-Programm ab, dem du vertrauen kannst.
  25. Dein eigenes Kind ist etwas ganz Besonderes. Es bringt dich zum Lachen, rührt dich zu Tränen, macht dich wütend. Es bedeutet die Welt für dich, selbst wenn du es gegen die Wand klatschen willst, weil es deinen iPod in der Badewanne ertränkt hat.
  26. Du willst dein Kind schützen und ihm zugleich alles zeigen.
  27. Manchmal betrachtest du dein Kind und fragst dich, ob du ihm einen Gefallen getan hast, es in diese Welt zu setzen.
  28. Dein Kind liebt es, dich nachzuahmen. Mach ihm also viel vor, aber achte darauf, was… Mach ihm aber nichts vor, wenn du weißt, was ich meine.
  29. Dein Kind kann dich mit großen Augen angucken, wie dich kein Mensch jemals zuvor angeguckt hat. Es ist dann äußerst schwierig, seinen Vorsätzen treu zu bleiben. Vorsätze sind manchmal aber auch wirklich für die Tonne.
  30. Manchmal weißt du nicht mehr weiter. Du hast keine Ahnung, keine Idee. Dann hilft eine Pause.
  31. Nicht alle guten Eigenschaften deines Kindes sind von dir und nur die schlechten von der Mutter. Das ist blanker Unsinn, auch wenn du es dir anders wünschst.
  32. Es gibt keinen schöneren Geruch als den deines Kindes. Vielleicht den deiner Frau. Du erkennst ihn unter Tausenden von Gerüchen wieder. Er ist wie Nachhausekommen. Bei dem Geruch in der Windel liegt die Sache allerdings etwas anders.
  33. Ein Kind ist teuer. Du wirst dich von einigen Hobbys verabschieden, nicht nur weil du weniger Zeit dafür hast.
  34. Das Leben ist nicht zu Ende, weil du ein Kind hast.
  35. Sobald das Kind da ist, nimmst du zu. Das ist ein Naturgesetz.
  36. Als Vater gehst du häufiger durch die Straßen und lächelst wildfremde Mütter und Väter mit Kindern an, bis du merkst, dass sie dich für einen merkwürdigen Menschen halten könnten.
  37. Wenn dein Kind gut drauf ist, verzaubert es dich und alle anderen Menschen. Dann lachen alle wegen deines Kindes. Ein solcher Moment ist absolut irre.
  38. Wenn du Vater bist, siehst und liest du Nachrichten mit anderen Augen. Vor allem die über Klimawandel.
  39. Wenn du krank bist oder Schmerzen hast, dann erinner dich an die Geburt und das, was die Mama durchgemacht hat. Kurier demütig dein Schnüpfchen aus und halt die Klappe.
  40. Wenn du glaubst, alles gesehen und erlebt zu haben, dann werde Vater.
  41. Vater sein ist das letzte echte Abenteuer.
  42. Vater sein ist das Größte der Welt.

Nik stellt Noah fragenAlso, ihr Hedonisten, Nachtschwärmer und Individualisten – bekommt Kinder. Auch wenn es anstrengend ist, lohnt es sich.

Mein Dank geht an Marcel-André Casasola Merkle für die  Inspiration und seine 42 finalen Thesen zum Internet.

Und warum 42 Thesen? Weil es popkulturell so schön opportun ist.