Macht man das? In einem Agentur-Blog über den Tod eines Menschen schreiben? – Warum eigentlich nicht? Wir haben uns doch vorgenommen, hier auch persönlichere Einblicke zu gewähren? – Nun denn… Und das Tippen stockt… Erstaunlich, wie man mit dem Tod eines Freundes im Alltag umgeht, wenn man eigentlich keine Zeit dafür hat. Es geht doch immer nur voran, von Projekt zu Projekt, gesund, voll im Saft, grenzenlos, ganz vorn, am Ball, Marsch, Marsch, Web zwo, null, zwo, drei, vier.
Da stirbt ein lieber Mensch an einem schweren, bis dato unheilbaren Leiden; im Vorfeld schon fiel es einem schwer, mit der Situation umzugehen: Begegnungen werden unbeholfen, Reden wird zu Schweigen, immer seltener sieht man sich. Bleiben Ratlosigkeit und Wut. Und mit einem Mal steht man vor der unfassbaren Endgültigkeit. Nie mehr. Das Leben schnauzt: Kommt alle klar damit. Und natürlich kommt man klar damit, aber etwas ist anders. Es ruckelt und weiter geht’s. Das nächste Twitter-Gewitter wartet. Puh.
Ein Freund sagte neulich zu mir: »Wir haben unsere Kontake alle so schön durchökonomisiert« und meinte XING, E-Mail und unser aller Handy-Nummernspeicher. Contact on, contact off, ganz auf das knappe Zeitbudget und den jeweiligen Grenznutzen zugeschnitten. Vielleicht hat er übertrieben, aber mit den Tools lassen sich Bekannte und Freunde wunderbar auf Entfernung halten. Man hat ja keine Zeit.
Ich hatte mir fest vorgenommen, unseren Freund mit unserem kleinen Sohn im Hospiz zu besuchen. Einen Tag vorher schlief er friedlich ein. Gute Reise, alter Junge.