
Noah
…seit 04:25 Uhr…
…Nabelschnur durchgeschnitten…
Ich verneige mich vor der Mama; wir Männer haben ja keine Ahnung…
Soundtrack:
»It’s a beautiful day« von U2
(Der Typ am Schlagzeug bin ich.
)

Noah
…seit 04:25 Uhr…
…Nabelschnur durchgeschnitten…
Ich verneige mich vor der Mama; wir Männer haben ja keine Ahnung…
Soundtrack:
»It’s a beautiful day« von U2
(Der Typ am Schlagzeug bin ich.
)
Entbindungsstation Klinikum Stadt Soest. Seit nunmehr drei Tagen warten meine Liebe und ich auf unseren Nachwuchs. Aber das/die/der Kleine (Ob Mädel oder Bub, wissen wir immer noch nicht) lässt sich nicht blicken. Bei den Wirtschaftsnachrichten kann ich das gut verstehen.

Nik wartet auf sein Baby...
Noch am letzten Sonntag, als wir hier zur Kontrolle am Wehenschreiber angeschlossen wurden, gingen wir zwischen den spitzen Schreien einer jungen Frau, die gerade in fünf Metern Luftlinie ihr Kind bekam, in gedämpftem Tonfall davon aus, am Montag oder Dienstag unser Kind in den Armen zu halten. Pustekuchen! Heute ist bereits der vierte Tag. Und auch heute macht der kleine Mensch keine Anstalten, sich blicken zu lassen.
Genug Zeit, so dachte ich, mich einem langen Blogartikel widmen zu können, in dem ich etwas darüber erzähle, was wir, KM2 >>, die sexy Internet Company aus Düsseldorf, denn eigentlich so alles kann. Diese Darstellung unseres Portfolios bin ich, vielleicht erinnert man sich, bisher noch schuldig geblieben. Oder ich schreibe über den deutschen eCommerce Umsatz 2008, den die GFK vorgestern veröffentlicht hat, und wie wir unseren Kunden in Sachen Onlinevertrieb auf die Sprünge helfen.
Wohlan, munter angesetzt (Ich tippe: Die KM2 >> netz:innovationen.gmbh kann Internet und verbindet Inhalt, Funktion und Design und…), aber schon müssen wir wieder zur Untersuchung, an den Wehenschreiber oder zum Arztgespräch.
Kurzer Einschub: Natürlich ist es meine Freundin, die untersucht und an den Wehenschreiber angeschlossen wird, aber als moderner Mann ist man natürlich solidarisch schwanger. Nicht zuletzt, weil die moderne Frau es ganz gern hat, wenn der moderne Mann sich »einbringt«. Also sind wir schwanger, werden wir an den Wehenschreiber angeschlossen und von Hebammen und Ärzten untersucht, haben wir Wehen, weil bei uns die Geburt eingeleitet worden ist, und sitzen wir rum und warten und warten. Alles andere wäre Drückebergerei. (An dieser Stelle danke ich meinen Kollegen für ihr solidarisches Warten.)
Apropos Hebammen und Ärzte: Gestern erfuhren wir von einer sehr netten Hebamme, dass bei uns eine Hebamme ganz ohne Arzt Kinder zur Welt bringen darf, umgekehrt ein Gynäkologe aber eine Frau bei einer Geburt ohne Hebamme nicht mit der Kneifzange anfassen darf. Das ist sogar im Hebammengesetz geregelt. Ja, ja, man lernt nie aus.
Zurück zum Thema: Wir warten also… und warten… und warten…. Wer einen Krieg gewinnen will, sollte den Gegner einfach warten lassen, bis sich Entschlossenheit und Widerstandskraft durch Langeweile und Trägheit in Luft aufgelöst haben. Anyway, wer wartet, hat Zeit zum Nachdenken. Und ich grüble über meine hoffentlich dann doch bald beginnende Vaterschaft und darüber, was es heißt, einen kleinen Menschen in diese Welt zu setzen…

...und wartet...
Was soll man halten von einer Welt, in der man selbst historische Konstanten nicht mehr gelten lässt, indem man neulich herausfindet, dass Vermeer einige seiner wichtigsten Werke gar nicht selbst malte, sondern von seiner ältesten Tochter malen ließ, Robin Hood in Wirklichkeit ein unsympathischer Terrorist und Columbus kein Genuese, sondern ein Schotte war und Shakespeare tatsächlich so aussah wie ein Ralph Fiennes in »Shakespeare in love«…?!
Aber mal im Ernst: Schaue ich mir die Welt mit den düsteren Aussichten für Wirtschaft und Ökologie an, kann einem schon mulmig werden: Auf einen Zusammenbruch des Finanzsystems folgt ein innerhalb so kurzer Zeit nie gekannter Nachfrageeinbruch, mit dem die globale Wirtschaft nun zu kämpfen hat. Deflation? Inflation? Gängige Wirtschaftsmodelle versagen.
Desorientierte und emotional verarmte Jungmänner fallen durch gesellschaftliche Raster oder rasten im wahrsten Sinne des Wortes aus.
Polkappen schmelzen, Eisbären verhungern oder ersaufen. Wasser wird in bestimmten Regionen immer knapper. Ehemals fruchtbare Landstriche werden von sich ausbreitenden Wüsten verschluckt. Und, und, und…
Was wird sein, wenn unsere Püpse in zehn, zwanzig, vierzig, fünfzig Jahren über diese Erde wandeln? (Nicht wundern, Arbeitstitel für unseren Nachwuchs lautet Püpschen, sprich: Püps-chen, nicht Püp-schen. Wer Kinder bekommt, fängt an im Diminutiv zu denken.)
Ich will nicht klingen wie ein Prophet der Apokalypse, aber man macht sich so seine Gedanken, wenn die neue Verantwortung für ein Kind an die Türen klopft.
Der eine oder andere mag nun einwenden, warum wir uns dann auf das Abenteuer Kind einlassen.
Warum nicht? Zynismus mal beiseite, Kinder in die Welt setzen ist doch die eine Tat, zu der uns unsere Biologie befähigt hat, lange bevor wir einen Mann zum Mond schießen konnten. Man will von uns, dass wir uns fortpflanzen. Wie die Wirtschaft, Umweltverschmutzung, das wunderbare Internet oder Dieter Bohlen gehören Kinder auch zum Leben. Was würde werden ohne Kinder? (Und ich will jetzt keine Diskussion über das Thema Überbevölkerung starten.) Irgendwer muss schließlich für unsere Rente sorgen, Produkte kaufen, Websites nutzen oder Deutschlands nächster Superstar werden.
Jetzt aber nochmal im Ernst und ohne Miesepeterei: Ich freue mich auf mein Kind. Auf das Abenteuer. Darauf, dass wir zu dritt sein werden und auf einmal alles auf dem Kopf stehen und anders sein wird. Point of no return. Ich freue mich darauf, Verantwortung für einen kleinen Menschen zu übernehmen, und dass noch ein schlagkräftiger Grund hinzukommt, warum man das alles hier macht.
Aktueller Zwischenstand: Die Herztöne unseres Kindes sind kräftig. Also, alles in Ordnung. Und wir warten weiter…
Proband:
Nik
Versuchsaufbau:
Die Neuerfindung von KM2 >>, Internetagentur aus Düsseldorf, läuft seit 12/08 und ist zusätzlich zum Tagesgeschäft zu stemmen.
Erkenntnis des Probanden:
Die Verquickung von Neuerfindung und laufender Projektarbeit ist eine Herausforderung. Die To-Do-Liste wird nicht kürzer. Umsetzungsabschnitte verzögern sich, denn: Kundenprojekte haben Vorrang.
Kommunikation und Offenheit sorgen für Vertrauen und Glaubwürdigkeit.
Die letzten beiden Wochen fühlten sich gut und nach Aufbruch an.
Lösungen:
Kommunikation, Kommunikation, Kommunikation – nach außen und innen.
Soundtrack:
»Alles neu« von Peter Fox
Proband:
KM2 >> Team
Ausgangssituation:
KM2 >>, die Internetagentur aus Düsseldorf, erfindet sich seit Dezember 2008 neu.
Versuchsaufbau:
Das Team arbeitet seit dem Neuerfindungsstartschuss Schritt für Schritt die beschlossenen To-Do-Listen ab.
Erkenntnis des Probanden:
Durch die Erledigung von Änderungsaufgaben wird die Neuerfindung erlebbar.
Ein Kollege meint: »Irre, die Veränderungen kann man geradezu anfassen.«
Manches verzögert sich, doch Aufgeschobenes fühlt sich in dem Fall nicht nach Aufgehoben an. KM2 >> bleibt dran…
Ursachenforschung für Liegengebliebenes und Verschiebungen:
Es sind Menschen am Werk – nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Lösungen:
Versuch »Eine Internetagentur aus Düsseldorf erfindet sich neu« unbeirrt fortsetzen…
Proband:
Nik
Ausgangssituation:
Zeitpunkt: 15 Tage nach »Stunde Null« (juristische Einigung, d. h. Trennung der beiden Gesellschafter/Geschäftsführer der KM2 >> netz:innovationen.gmbh); Weihnachten 2008.
Versuchsaufbau:
Versuchsanordnung untersucht den Umgang des Probanden Nik mit einem relativ längeren Zeitraum (Heiligabend bis 05.01.2009) außerhalb des Unternehmenskontextes nach der Auseinandersetzungsphase der letzten Wochen.
Proband bewegt sich ausschließlich im privaten/familiären Rahmen und konzentriert sich mehrheitlich auf Themen und soziale Kontakte, die nicht unmittelbar mit der Internetagentur in Verbindung stehen.
Gespräche, Meinungsaustausch, Diskussionen über das Unternehmen und Veröffentlichung von Versuchsprotokollen sind ausdrücklich erlaubt.
Erkenntnis des Probanden:
Proband stellt fest: Distanz tut gut.
»Veränderung erfordert bisweilen Abstand vom Veränderungskontext.«
Ursachenforschung:
Zeitweilige mentale und räumliche Loslösung aus dem Unternehmenskontext relativiert den Blick auf vergangene und künftige Zustände und Entwicklungen.
Anregende Gespräche mit verschiedenen Angehörigen und Freunden über die Situation der Internetagentur in entspanntem Rahmen ermöglichen Einordnung des Geschehens und führen im besten Fall zu neuen Einblicken und Ansichten.
Empfehlung:
Zeitweilige Freiräume (besonders in beanspruchenden Unternehmensphasen) sind empfehlenswert;
ebenso kann für das geschlossene Team Bewegung bzw. Betätigung außerhalb des Unternehmensrahmens sinnvoll und heilsam sein.
Versuch läuft voraussichtlich bis zum 5.1.2009
Proband:
Nik
Ausgangssituation:
Neuerfindungsphase der KM2 >> netz:innovationen.gmbh nach juristischer Einigung, d. h. Trennung der bisherigen Gesellschafter/Geschäftsführer (»Stunde Null«).
Versuchsaufbau:
Proband ist wochentäglich zur Arbeit anwesend;
sporadisch, über die übliche Arbeitszeit hinaus: Teambesprechungen (unterschiedliche Zusammensetzungen) zu den Themen Ziele, Strategien, Maßnahmen und Soft Facts.
Erkenntnis des Probanden:
Proband stellt erhebliche Schwankungsbreite der inneren Befindlichkeit fest; die Enden des Kontinuums lassen sich bezeichnen mit:
Positiv — »Veränderungsfreude, -wunsch und -wille; KM2 >> Gegenwart als Chance«
Negativ — »Misstrauen und Zweifel«
Ursachenforschung:
Pathologie des Verharrens
Lösungen:
Weitermachen,
Strategie der kleinen Schritte,
»Kaizen« (Kai: Veränderung, Wechsel, Wandel; Zen: zum Besseren)
Versuch »Eine Internetagentur aus Düsseldorf erfindet sich neu« läuft
Probant: Alex
Ausgangssituation:
Domestizierung von Squillionen von Kaffeetassen allerorts, häuptsächlich im direkten Wirkungsbereich des Probanten.
Versuchsaufbau:
Der Probant hält sich selbst dazu an, seine Kaffeetassen in die Spülmaschine räumen.
Direkte Reaktion des Probanten:
»Meine Güte, was stören schon die paar Tassen?! Alter, Eure Probleme will ich haben.«
Reaktion des Probanten nach 14 Tagen:
»Hey, es gibt also wirklich eine Tischplatte unter dem Krempel!«
Versuchsstatus:
Läuft.